Muttermilch ist das Beste für jeden Säugling – für Frühgeborene ist sie sogar lebensnotwendig. Wenn die Milch der eigenen Mutter nicht verfügbar ist, bietet gespendete Frauenmilch aus Frauenmilchbanken die optimale Alternative. Sie schützt die Gesundheit der Kleinsten, fördert ihre Entwicklung und bewahrt sie vor schweren Komplikationen.
Warum Frauenmilch für Frühgeborene lebenswichtig ist?
Frühgeborene haben oft einen unreifen Verdauungstrakt, der industriell hergestellte Säuglingsnahrung nur schwer verarbeiten kann. Diese kann allergische Reaktionen auslösen und den kleinen Organismus belasten. Muttermilch hingegen ist leicht verdaulich, schützt vor schweren Darmerkrankungen wie der nekrotisierenden Enterokolitis (NEC) und reduziert das Risiko für Infektionen und Folgeoperationen.
Leider erreichen viele Frühchen-Mütter durch Abpumpen nicht die benötigte Milchmenge, oder sie können aus gesundheitlichen Gründen gar nicht stillen. Hier setzen Frauenmilchbanken an, um die lebenswichtige Versorgung sicherzustellen.
Frauenmilchbanken – Organisation und Herausforderungen
Frauenmilchbanken spielen eine zentrale Rolle bei der Verarbeitung und Verteilung von gespendeter Muttermilch. Sie gewährleisten durch strikte Qualitätskontrollen und definierte Standards die Sicherheit der Milch. Dennoch stehen sie vor zahlreichen Herausforderungen.
Personelle Anforderungen: In der Hälfte der Frauenmilchbanken wird exklusives Personal für die Verarbeitung von Frauenmilch bereitgestellt. In anderen Einrichtungen müssen Pflegekräfte diese zeitintensive Aufgabe parallel zu ihrer Arbeit am Krankenbett übernehmen. Betreibermodelle, die diese Tätigkeiten klar trennen und personelle Ausfallkonzepte vorsehen, könnten die Effizienz und Qualität steigern.
Regulatorische Herausforderungen: In Deutschland wird Frauenmilch gemäß Lebensmittelrecht behandelt, was strenge Hygienestandards und Sicherheitsauflagen zur Folge hat. Auf EU-Ebene wird Frauenmilch künftig als “Substanz menschlichen Ursprungs” (SoHO) reguliert, ähnlich wie Blut oder Gewebe. Die genaue nationale Umsetzung dieser Regelung wird entscheidend für die Zukunft der Frauenmilchbanken sein.
Finanzierungslücken: Die Einrichtung von Frauenmilchbanken konkurriert mit anderen Infrastrukturprojekten um Finanzierung. Landesförderprogramme, wie in Niedersachsen und dem Saarland, haben durch Anschubfinanzierungen den Aufbau neuer Frauenmilchbanken ermöglicht. Die laufenden Kosten für den Betrieb sind jedoch nicht dadurch gedeckt.
Ammeva: Eine Vorreiterrolle in der Frauenmilchverarbeitung
Die Firma Ammeva ist ein Pionier in der Forschung, Entwicklung und Herstellung von Produkten aus Frauenmilch. Mit über 30 Jahren Erfahrung in der Geburtshilfe hat Ammeva Versorgungsdefizite erkannt und arbeitet daran, diese gezielt zu schließen. Ammeva ist das einzige Unternehmen in Deutschland und der EU, das Fortifier – spezielle Nahrungsergänzungen aus humaner Frauenmilch – herstellt. Diese Fortifier helfen, den Nährstoffbedarf von Frühgeborenen zu decken, ohne auf künstliche Zusätze zurückzugreifen. Mit innovativen Lösungen trägt Ammeva dazu bei, die Versorgung von Frühgeborenen zu verbessern. Ihr Engagement und ihre Expertise unterstützen nicht nur Frauenmilchbanken, sondern auch medizinische Einrichtungen und Initiativen, die sich für die Verbreitung und Nutzung von Frauenmilch einsetzen.
Initiativen zur Förderung des Frauenmilchbankwesens
Neben Ammeva engagieren sich zahlreiche Organisationen für den Aufbau und Betrieb von Frauenmilchbanken. Die Frauenmilchbank-Initiative e.V. (FMBI) hat Leitlinien für den Betrieb von Frauenmilchbanken entwickelt und unterstützt neue Einrichtungen bundesweit. Gefördert durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), begleitet das NEO-MILK-Projekt wissenschaftlich den Aufbau von Frauenmilchbanken. Die EFCNI (European Foundation for the Care of Newborn Infants) fördert Workshops, Handbücher und gibt Empfehlungen für den Aufbau und die Qualität von Frauenmilchbanken.
Die Zukunft der Frauenmilchbanken
Um eine flächendeckende Versorgung sicherzustellen, bedarf es regionaler Netzwerke zwischen Frauenmilchbanken und neonatologischen Abteilungen, klarer regulatorischer Vorgaben, einer verlässlichen Finanzierung der Betriebskosten sowie strukturierten Fortbildungen für das Personal. Frauenmilchbanken sind eine Investition in die Zukunft der Kleinsten. Mit innovativen Partnern, engagierten Fachgesellschaften und politischen Förderprogrammen kann sichergestellt werden, dass jedes Frühgeborene die lebensrettende Nahrung erhält, die es verdient.

Über unsere Gastautorin
Verena Keller ist Mutter von drei Kindern und arbeitet als erfahrene Kindheitspädagogin. Als zertifizierte Stillexpertin begleitet sie Familien durch die Herausforderungen der Stillzeit und unterstützt Eltern mit wertvollen Tipps und Einfühlungsvermögen. Verena findet man unter https://stillexpertin.de